6. Station


 

 

 

 

Veronika sieht auf der Straße einen zum Tod verurteilten Mann.
Er wird von den Soldaten unter dem Spott einheimischer Menschen zur Richtstätte geführt.
Er zittert, sein Gesicht ist total verklebt von Blut und Schweiß, der Dreck und Staub der Straße haftet an ihm.
Anders als ihre johlenden und gaffenden Mitmenschen hat Veronika Mitleid.
Intuitiv reicht sie ihm das Schweißtuch und lindert für einen kurzen Moment die Not.
Gegen alle Widerstände schenkt sie ihm mit einer kleinen Geste Ansehen und macht deutlich:
„Das ist ein Mensch!“

In unserem Alltag sind wir es gewohnt unsere Mitmenschen anhand ihrer Rolle zu sehen – und sie oft auch darauf zu reduzieren.
Es braucht Mut diese Perspektive zu verlassen und den Anderen neu anzusehen.
Wenn wir hinter die Rolle sehen erkennen wir:
Das ist ein Mensch - genau wie ich.

Wann habe ich mich schon einmal für einen Menschen eingesetzt – allen Widerständen zum Trotz?

Wer gibt mir das Gefühl wirklich Mensch zu sein?

Was davon möchte ich Jesus mit auf den Kreuzweg geben?