Aktueller Stand

Die zum 1.1.2020 geplante Zusammenlegung der Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften zu "Pfarreien der Zukunft" (PdZ) konnte nach einer Intervention des Vatikan nicht umgesetzt werden. Die Initiative Kirchengemeinde vor Ort und die Priestergemeinschaft Unio Apostolica hatten bei vatikanischen Behörden Klage eingereicht, um verschiedene Fragen prüfen zu lassen. Im Kern geht es beiden um die Frage, wie Seelsorge vor Ort künftig aussieht und gewährleistet werden kann, wenn Personal (besonders Pfarrer), rechtliche Kompetenzen und Strukturen zentralisiert werden. Die Kritik dreht sich nicht um Verwaltungsstrukturen. Es geht um Theologie, Funktion und Rolle von Priestern und Laien in der Katholischen Kirche. 

Der Vatikan hat Bischof und Bistum die Aufgabe gegeben, eine intensive Diskussion zu führen. Es gab weder eine Verurteilung, noch eine klare Richtungsentscheidung. Im Kern gilt es, zwischen folgenden Positionen zu vermitteln:

Die Ansätze der Bistumsreform betonen eine Anpassung kirchlichen Lebens an die Realität von Kirche und (deutscher) Gesellschaft, wie sie von der Synode beschrieben wurde. In einem ersten Schritt sollten Strukturen, besonders Leitungsstrukturen verändert werden. Es wurden auch Erkenntnisse aus der Aufarbeitung des Missbrauchskandals berücksichtigt: Wie etwa die MHG-Studie festgestellt hat, ist die bisherige Leitungsstruktur mit einer Spitze anfälliger für Übergriffe und Mechanismen der Vertuschung als eine Verteilung von Entscheidungsbefugnissen und Aufsichtsrechten auf mehrere Schultern.

Die Bedenken der Kritiker*innen betreffen sowohl das Priesterbild als auch einen Verlust von Eigenständigkeit der (Kirchen-)Gemeinden. In den geplanten Strukturen wird es unmöglich, dass ein leitender Pfarrer alle Menschen kennt. Er kann nicht in der Art vertraut sein mit Gewohnheiten, Besonderheiten und konkreten Problemen, wie das aktuell möglich ist. Damit ist die traditionelle Amtstheologie hinterfragt, die den Pfarrer als pastor bonus, als guten Hirten beschreibt. Diese Theologie ist nicht nur ein theoretisches Konstrukt. Viele Katholik*innen wünschen sich, dass Priester als "gute Hirten" Leitung wahrnehmen. Dogmatik und Kirchenrecht betonen die Bezogenheit von Amtsträgern (z.B. Pfarrern) und Menschen in ihrem Gebiet (Pfarrei) im Bild der "Hirtensorge".
Weiter werden mit der Zentralisierung von Verwaltung und Ressourcen lokale Entscheidungsgremien abgeschafft oder entmachtet, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingeführt wurden. Die verbrieften Rechte von Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräten sind Frucht und Ausdruck einer synodalen Tradition. Diese soll nach dem Wunsch der Synode eigentlich gestärkt werden. Kritiker*innen befürchten, dass Entscheidungen eines "Rats der Pfarrei" und einer unüberschaubaren "Synodalversammlung" unverbindlicher, anonymer, intransparenter und noch stärker von Vorentscheidungen der (Bistums-)Verwaltung beeinflusst werden.

Die Klärung dieser und weiterer Fragen steht aus. Aktuelle Informationen finden Sie auf der Homepage des Synodenbüros.